
Der Harnisch des „Hofzwergs“ Rupert in den Kunstsammlungen der Veste Coburg
Rupert, ein kleinwüchsiger Mensch, lebte Ende des 16. Jahrhunderts am Hofe Herzog Johann Casimirs von Sachsen-Coburg. In dieser Zeit als „Hofzwerge“ bezeichnet, konnten kleinwüchsige Menschen an Fürstenhöfen vielfältige Positionen einnehmen: von Unterhaltenden bis zu engen Vertrauten der Herrschenden. Ruperts voll funktionsfähige Rüstung wurde nun aufwändig restauriert und neu inszeniert.
Mit einem Harnisch von nur knapp einem Meter Größe hat sich in den Kunstsammlungen der Veste Coburg ein ganz außergewöhnliches Objekt erhalten. Diese besonders kleine, dabei voll funktionsfähige Rüstung entstand nämlich nicht für einen Knaben, sondern für einen kleinwüchsigen Mann, der im späten 16. Jahrhundert am illustren Hof Herzog Johann Casimirs von Sachsen-Coburg lebte. Ein Inventareintrag aus dem Jahr 1601 erwähnt nicht nur das Objekt, sondern auch seinen Träger: „1 Klein Blank Harnischlein Uff den Zwerg Ruppert geschlagen.“
Rupert (auch Ruprecht) nahm in Coburg die zeittypische Stellung eines „Hofzwergen“ ein. In dieser Rolle sind kleinwüchsige Menschen an zahlreichen Fürstenhöfen der Renaissance und des Barock dokumentiert. Ihre Stellung konnte dabei von der eines kuriosen Unterhalters bis zur engen Vertrauensperson des Fürsten oder der Fürstinreichen. Auch wenn die Anfertigung eines kostspieligen, „maßgeschneiderten“ Harnischs für eine prominente Position am Hof spricht, wissen wir kaum etwas über die Lebensumstände Rupperts. Wesentlich besser dokumentiert ist hingegen einer seiner Nachfolger, Johann Eckelt, der sein Leben gut versorgt und abseits des Hofes als Coburger Bürger mit Frau und Kindern beschloss.
Seit der musealen Einrichtung der Rüstkammer auf der Veste Coburg Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Harnisch des „Hofzwergs“ Rupert ein zentrales und bei Besuchern beliebtes Ausstellungsobjekt. 2023 erhielt er eine neue, passgenaue Figurine, die in allen Ebenen mehrfach justierbar ist und eine wesentlich dynamischere Präsentation als bisher ermöglicht. Die für die Neupräsentation gewählte Pose lehnt sich an die Situation eines Fußturniers an. Zur besseren Illustration dieses speziellen Wettkampfs hält „Rupert“ eine rekonstruierte Pike in der Hand. Aktuell ist der Ruperts Harnisch bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu Besuch, wo er in der Ausstellung „Bewundert, gesammelt, ausgestellt. Behinderung in der Kunst des Barock und der Gegenwart“ zu sehen ist. Die Ausstellung erzählt von Menschen mit Behinderungen, die aufgrund ihrer Fähigkeiten, ihrer körperlichen Merkmale oder ihrer Stellung bei Hofe Eingang in die Sammlungsgeschichte gefunden haben – eine besondere Rolle spielten hier die „Hofzwerge“.
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